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Verfolgung und Gefangenschaft

Am Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel, am 15. August 1975, wird Bischof Van Thuân in den ehemaligen Präsidentenpalast in Saigon einbestellt und verhaftet. Vorgeworfen wird ihm, dass seine Ernennung zum Erzbischof-Koadjutor ein Komplott des Vatikans und der Imperialisten sei.

Man bringt Van Thuân nach Nha Trang zurück und stellt ihn zunächst in der Pfarrei Cây Vông unter Hausarrest. Hier entstehen seine kurzen pastoralen Botschaften, die er auf Kalenderblättern niederschreibt und aus seinem Arrest herausschmuggeln und verteilen lässt.

Eines Nachts, es war im Oktober 1975, ging mir ein Licht auf: »Franziskus, es ist doch ganz einfach. Mache es wie der heilige Apostel Paulus, als er in Gefangenschaft war: Schreibe Briefe an die verschiedenen Gemeinden.« Am darauf folgenden Morgen, es war noch dunkel, gab ich einem siebenjährigen Jungen verstohlen ein Zeichen. Er hieß Quang und war gerade auf dem Nachhauseweg von der Frühmesse um 5 Uhr: »Sag deiner Mutter, sie soll mir alte Kalender kaufen.« Am späten Abend, als es wieder dunkel war, brachte Quang mir die Kalender, und im Oktober und November 1975 schrieb ich in jeder Nacht aus der Gefangenschaft Briefe an mein Volk. Jeden Morgen kam dann der Junge um die Blätter abzuholen und nach Hause zu bringen. Dort ließ er sie von seinen Brüdern und Schwestern abschreiben. So entstand das Buch ‚Hoffnungswege' ...

(François Xavier Nguyên Van Thuân, Fünf Brote und zwei Fische)

Gemälde des australischen Künstlers Paul Newton in der Kapelle des Domus Australia, Rom

Mit der Verhaftung am 15. August 1975, mit dieser vorgeblichen Anschuldigung und ohne Gerichtsverhandlung beginnen für Van Thuân 13 Jahre der Gefangenschaft, davon neun Jahre in Einzelhaft. 1976 wird er nach Nordvietnam in das Gefangenenlager Vinh Quang, in den Bergen der Provinz Vinh Phu gebracht. Schließlich folgen der Aufenthalt in einem Gefängnis der Polizei von Hanoi und die erneute Anordnung von Hausarrest, dieses Mal in Giang Xá, einem Vorort der nordvietnamesischen Großstadt. Ab 1982 wird Van Thuân an unterschiedlichen Orten gefangen gehalten, zumeist in Isolationshaft.

Die Kraft, die Jahre der Gefangenschaft und besonders die der Isolation zu überleben, diese Kraft zieht Van Thuân aus der Eucharistie. Mit Wein, den ihm seine Angehörigen als ‚Medizin gegen Magenschmerzen' schicken und eingeschmuggelten Hostien, manchmal auch nur einigen Brotkrumen, feiert er täglich die heilige Messe.

 

Nie werde ich meine große Freude in Worte fassen können: Mit drei Tropfen Wein und einem Tropfen Wasser in der hohlen Hand feierte ich Tag für Tag die Messe. Das war mein Altar, das war meine Kathedrale! Ich hatte die wahre Medizin für Seele und Leib ...

(Hoffnung, die uns trägt, S. 152)

Am 21. November 1988, dem Gedenktag „Unsere lieben Frau von Jerusalem", wird Van Thuân aus der Haft entlassen. Unter der Aufsicht des damaligen Erzbischofs von Hanoi lebt er in dessen Haus. Er darf keine pastoralen Dienste ausüben, sich aber innerhalb der Stadt frei bewegen.

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