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Familie, Kindheit, Jugend

François Xavier Nguyên Van Thuân wird am 17. April 1928 in Phủ Cam, einem Vorort der alten Kaiserstadt Huế, geboren. Er ist das älteste von insgesamt acht Kindern. Die Familie ist fest im katholischen Glauben verwurzelt. Vorbilder sind die Vorfahren mütterlicher- als auch väterlicherseits, die trotz jahrhundertelanger Verfolgung und Repressalien treu zu ihrem Glauben stehen.

Unsere Mutter erzählte uns oft die Geschichte der Verfolgung unter Văn-Thân. Zusammen mit anderen Katholiken wurde die gesamte Familie, bis auf zwei, in die Kirche getrieben und verbrannte bei lebendigem Leibe. Ngô-Đình-Khả [Van Thuâns Großvater] war zu dieser Zeit in Penang. Seine jüngere Schwester, Ngô-Đình thị Tiên, lag geschützt unter anderen Körpern und konnte so überleben. Wenige Jahre später trat sie in einen Orden ein.

(François Xavier Nguyên Van Thuân in einem Gespräch mit VietCatholic anlässlich seiner Erhebung zum Kardinal 2001)

Thaddäus Nguyên Van Am und Elizabeth Ngô-Đình Thị Hiệp am Tag ihrer Hochzeit gemeinsam mit Van Ams Eltern (sitzend)

Trotz entbehrungsreicher Jahre und vieler Rückschläge bringt es die Familie zu Wohlstand und Ansehen. Van Thuâns Vater, Thaddäus Nguyên Van Am (*1900 †1993), ist, wie seine Vorfahren, als Bauunternehmer tätig. Seine Mutter Elizabeth Ngô-Đình Thị Hiệp (*1903 †2005) stammt aus einer politisch einflussreichen Familie. Ihr Vater, Ngô-Đình-Khả, bekleidet zunächst wichtige Ämter am kaiserlichen Hof. Er ist äußerst gebildet und steht loyal zum Kaiser, selbst als dieser durch die französische Kolonialbesatzung entmachtet wird. Khả verliert so seine Ämter und wird Landwirt. Er gibt sein tiefgreifendes politisches Verständnis, die bedingungslose Liebe zum Vaterland und die feste Verwurzelung im Glauben an seine neun Kinder weiter. Sein Sohn Thục wird Erzbischof des 1960 neugeschaffenen Erzbistums Huế, sein Sohn Diệm ist von 1955 bis zu seiner Ermordung 1963 Präsident von Südvietnam. Seiner Tochter Hiệp, die ihm gedanklich am nächsten steht, überträgt er die Verantwortung, sein spirituelles und politisches Vermächtnis zu wahren und in die nächsten Generationen weiterzutragen.

Van Thuâns Bindung an die Mutter ist eng. Bereits als kleiner Junge lauscht er fasziniert ihren Erzählungen:

Sie brachte mir Abend für Abend die Geschichten aus der Bibel bei, sie erzählte mir die überlieferten Berichte über unsere Märtyrer, besonders die über unsere Vorfahren, sie lehrte mich die Liebe zum Vaterland ...

(Hoffnung, die uns trägt, Seite 13)

Van Thuân (obere Reihe, 3. von links) im Kreis seiner Familie

Dem Vorbild der Mutter und dem Beispiel seines Onkels Thục folgend, zeichnet sich schon früh ab, dass Van Thuân für das Priestertum bestimmt ist. 1940, mit 12 Jahren, tritt er in das Schülerkonvikt von An Ninh ein, das etwa 100 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt liegt. Geführt wird es von Priestern der Missions Étrangères de Paris (MEP).

In An Ninh liest er begeistert die Schriften der Kirchenlehrer und Missionare. Besondere Vorbilder sind ihm sein Namenspatron der hl. Franz Xaver, die hl. Thérèse von Lisieux und der Pfarrer von Ars, Johannes Maria Vianney. Vollkommene Hingabe, Vertrauen, unbeugsamer Wille, Demut, Geduld und Beharrlichkeit sowie die innere Unabhängigkeit von Erfolg und Misserfolg lernt er von den Heiligen. Später, in der Gefangenschaft, wird ihm deren Motivation über so manche schlimme Stunde hinweghelfen.

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